Fahrbericht: Audi R8 V10 plus

Audi R8 V10 Autobahn

Fahrbericht: Audi R8 V10plus

Es gibt Fahrzeuge, die glaubt man zu kennen, bevor man auch nur einsteigt. Der Audi R8 ist solch eins. (Zumindest dachte ich das). Von Audi erstmals als „Concept Le Mans Quattro“ im Jahre 2003 der Öffentlichkeit präsentiert und ab dem Jahr 2007 regulär im Verkauf. Man wollte die beachtlichen Erfolge im Langstreckensport auf die Straße projizieren und zugleich endlich mal wieder einen richtigen „Brandshaper“ im Portfolio haben – Denn seien wir doch mal ehrlich: Ein paar größere Alufelgen, die kleiner Leistungskur unter der Motorhaube und das schmucke S-Line-Kit machen zwar optisch jeden A4 ein bisschen attraktiver, doch ein echter Sportwagen ist nunmal die einzige Möglichkeit, auch fahrdynamisch echtes Motorsportfeeling zu erleben!

Das gelang bereits dem Einstiegsmodell der Baureihe 42 ganz gut, der mit seinem 4.2 FSI V8-Mittelmotor ordentliche Fahrleistungen ablieferte und mit seiner – leider inzwischen etwas antiquiert wirkenden – R-tronic-Schaltung auch das gewisse Le-Mans-Gefühl mitbrachte. Ist man dieses Modell nun etliche Male gefahren oder hat es, wie mir glücklicherweise zuteil wurde, auch auf der Rennstrecke auf Herz und Nieren geprüft, stellt sich natürlich auch bei einem R8 ein gewisser Gewöhnungseffekt ein… Warum sollte also der um exakt 1 Liter vergrößerte Hubraum nun für neuerliche Begeisterungsstürme sorgen!?

Beginnen wir einmal bei der Optik: Das Design des Audi R8 kann zweifelsfrei als völlig zeitlos bezeichnet werden, seine sexy Kurven über den Radläufen, gepaart mit den grimmigen und tief über dem Asphalt kauernden Scheinwerfern sind auch 10 Jahre nach Markteinführung ein absoluter optischer Leckerbissen! Mit dem Facelift zum Modelljahr 2012 änderte Audi dieses Design dann auch nur sehr behutsam, was angesichts der noch immer taufrischen Optik auch nicht weiter verwundert. Paart man nun ein paar feine Details wie die Echtcarbon-Sideblades, schwarz lackierte und filigran wirkende 19″-Schmiedefelgen und die Keramikbremsanlage mit Scheiben im XXL-Pizzaformat dazu, ist das Ergebnis zwar nicht revolutionär, aber doch schon sehr nah am optischen Ideal!

Doch nun genug der trockenen Beschreibung, ihr wollt schließlich wissen, wie sich das Schmuckstück fährt! Beim Einsteigen soweit noch nichts Neues: Ein stark fahrerorientiertes Cockpit mit anständiger Materialanmutung und sauber geordneten Bedienelementen sind bekannte Details – Genauso wie der nach wie vor manuell ins Zündschloss zu steckende Schlüssen, ein Detail, was nicht ganz dem futuristischen Image des R8 entspricht..

Beim Anlassen dann die erste Begeisterung: Endlich darf sich die ab Werk verbaute Klappenauspuffanlage auch als solche bezeichnen! Entfuhr den früheren Versionen eher ein laues Lüftchen, wisst ihr als Pilot hier sofort: Der V10 hinter eurem Rücken ist kein Spielzeug, aber er will spielen!

Die wirkliche Revolution bemerkt ihr dann beim Anfahren: Vorbei die Zeiten, als eure Schwiegermutter schon beim langsamen Ampelstart die Dauerwelle an die Kopfstütze krachte! Das Stronic-Doppelkupplungsgetriebe fährt – egal bei welchem Tempo – butterweich an und Kuppelt kaum merklich ein. (Wenn ihr denn unbedingt langsam fahren wollt natürlich). Noch eindrucksvoller: Die Launch Control. Sauber pegelt sich die Drehzahlmessernadel ein, bevor sie nach dem Lösen der Keramikanker ins Nirvana schießt – und euer Blut druck gleich mit! Denn 550 PS aus einem V10-Saugmotor in Verbindung mit 7-Gang-Stronic sorgen für mächtig Vortrieb! Absolut kein Vergleich zum „alten“ V8, bei dem ihr nach diesem Erlebnis eher einer 3-Liter-Turbodiesel unter der Glashaube vermutet…

Sodann wird es Zeit, die Qualitäten nicht nur längsdynamisch auszuloten, sondern zu schauen, ob der R8 seinen Ahnen aus Le Mans auch in anderen Disziplinen nahe kommt. In einer tut er das auf jeden Fall: Dem Auffälligkeitsfaktor. So wie euch selbst bei langsamem Flanieren durch die Straßen neugierige Blicke durchlöchern, Smartphones für spontane Fotoshootings gezückt werden und rüstige Rentner mit dem Gehstock drohen, könnte man fast denken, gerade auf die Zielgerade mit der schwarz-weiß-karierten Flagge zuzurollen…

Wer es etwas unauffälliger mag: Schnell in Richtung unbegrenzter Autobahn! Hier kann man sowohl dem wild brüllenden V10 endlich mal so richtig die Sporen geben als auch den querdynamischen Fähigkeiten des R8 adäquat auf den Zahn fühlen. Und die sind beachtlich!

Ich bin selten einen Supersportwagen gefahren, der auch bei Tempi weit jenseits menschlicher Vernunft so gutmütig und mühelos kontrollierbar bleibt. Das liegt natürlich einerseits am wunderbar heckbetonten Quattro-Antrieb, aber auch am Fahrwerk selbst – Egal welche Einstellung ihr hier vorwählt, ihr habt immer das Gefühl, dass das Auto auch problemlos mit doppelt so viel Leistung zurechtkäme.

Dabei bietet das gesamte Konzept noch eine erstaunliche Menge an Restkomfort und würde den R8 – wenn da nicht dieses mickrige, zweite Handschuhfach (Audi nennt es Kofferraum) wäre – auch problemlos als echten Gran Turismo prädestinieren.

Fest steht: Egal ob beim „Blicke fangen“ in der Stadt, beim Kurvenräubern auf einsamen Landstraßen, beim Ausloten der Höchstgeschwindigkeit auf unbegrenzten Autobahnen oder natürlich auch auf der echten Rennstrecke – Es gibt eigentlich keinen Einsatzzweck, bei dem der R8 V10 plus keine gute Figur abgibt.

Und falls euch jetzt das Wasser im Munde zusammenläuft und ihr krampfhaft überlegt, wie ihr diese innere Unruhe wieder abstellen sollt: Bei uns könnt ihr natürlich exakt diesen Audi R8 mieten und validieren, warum ich so begeistert von diesem echten Sportwagen bin.

Euer Phillipp von DRIVAR®

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